Beeindruckende Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Befreiung

und zur Würdigung von Willi Dickhut in Ohligs

 

Eine beeindruckende Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Befreiung vom Hitler-Faschismus fand am 8. Mai vor dem antifaschistischen Gedenkhaus in der Kamper-Str. 50 in Ohligs statt. Sie war verbunden mit der Würdigung von Willi Dickhut. Der Solinger Kommunist war wegen seines antifaschistischen Widerstands mehrfach in KZs und Gefängnissen, leitete den illegalen Widerstand der KPD in Solingen 1935 Uhr bis 1945 mit, war maßgeblich an der kampflosen Übergabe der Stadt an der Amerikaner beteiligt und anschließend führend beim demokratisch-antifaschistischen Wiederaufbau Solingen ab April 1945. Die Hauptrede hielt Gabi Gärtner, Ratsfrau von SOLINGEN AKTIV und Vertreterin der MLPD.

Sie begrüßte knapp 150 Teilnehmer. Sie betonte die Gemeinsamkeiten mit den am gleichen Tag stattfindenden zahlreichen Gedenkfeiern, hob aber auch hervor, was dort verschwiegen wird:

 

  • Der Faschismus ist kein Unfall der Geschichte. Die Machtübernahme Hitlers war vom Monopolkapital in dessen Machtinteresse geplant und durchgeführt.
  • "Die eigentliche Zielsetzung war aber die abgrundtiefe Feindschaft des Faschismus zum Sozialismus/Kommunismus, der Terror gegen die Arbeiterbewegung das Ziel der Zerschlagung der sozialistischen Sowjetunion"
  • Die meisten Spitzenpolitiker verschweigen in ihren Ansprachen, "dass hunderttausende Kommunisten und Sozialdemokraten in Konzentrationslagern für ihren Freiheitsdrang gefoltert und ermordet wurden und zu den hauptsächlichen Träger des mutigen illegalen Widerstands im Faschismus gehörten."
  • "Dieser Antikommunismus ist auch das eigentliche Motiv, warum Willi Dickhut im Solinger Stadtbild bisher nicht gewürdigt wurde – was längst überfällig ist."

 

Auf diesem Hintergrund berichte sie: "Aus Anlass dieses 70. Jahrestags der Befreiung wurde in einem Gemeinschaftsantrag an die Ohligser Bezirksvertretung, der inzwischen von über 150 Menschen unter anderem aus sechs Solinger Parteien, von Jugendlichen, Arbeitern, sogar Kleinunternehmern und Gewerkschaftsvorständen unterzeichnet wurde, beantragt, Willi Dickhut eine Straße oder einen Platz zu widmen."

Neben eindrucksvollen Kulturbeiträge des "Ruhrchors“, der Band "Gehörwäsche" aus Köln und dem Sänger der Solinger und Wuppertaler Montagsdemonstrationen vertieften zahlreiche Grußworte diese Veranstaltung:

Professor Jörg Becker, Politikwissenschaftler, Vorsitzender des Kulturausschusses und parteiloser Stadtrat für „Die Linke“ verneigte sich in seiner Ansprache vor Willi Dickhut als "aufrechtem Kommunisten, Opfer der faschistischen Gewaltherrschaft und Widerstandskämpfer."

 

Andreas Fischer berichtete im Namen des Kommunalwahlbündnisses SOLINGEN AKTIV vom aktuellen antifaschistischen Kampf in Solingen und betonte den überparteilichen antifaschistischen Charakter seines Bündnisses. "AKTIV antifaschistisch – damals und heute“ war entsprechend auch die Aufschrift auf der Schleife des farbenfrohen Gestecks von SOLINGEN AKTIV.

Ralf Reinartz würdigte als Sprecher des Reichsbund SRG Landesverband NRW sowie auch als SPD-Mitglied den gemeinsamen parteiübergreifenden antifaschistischen Widerstand.

Der 80-jährige Hansi Pohl, DKP, Sohn einer stadtbekannten kommunistischen Familie, die in dem Gedenkhaus wohnte, berichtete sehr bewegt über die schmerzhaften antikommunistischen Kränkungen durch Lehrer und Mitschüler in den Jahren nach 1945.

Ein gebürtiger Iraner, der seit Jahren in Solingen lebt, wies darauf hin, dass zwar Deutschland vom Faschismus befreit wurde, aber damit der Faschismus nicht insgesamt besiegt sei: So hat die seit 1979 im Iran herrschende faschistische Diktatur des Mullah-Regimes zehntausende politischer Widerstandskämpfer ermordet.

Nach weiteren Grußworten wurde die Veranstaltung mit dem Singen der „Internationale“ und der „Moorsoldaten“ mit der Kranzniederlegung unter der Gedenktafel am "Wenzelnberghaus" würdevoll beendet.

Rede zum Gedenken an die Befreiung vom Hitler-Faschismus

und zur Ehrung von Willi Dickhut

 

Verehrte Gäste und Teilnehmer dieser Gedenkveranstaltung,

 

viele einfache Solinger Arbeiter standen während der Hitlerdiktatur im antifaschistischen Widerstand an der Spitze der Bewegung.

Heute, 70 Jahre nach der Befreiung vom Hitlerfaschismus sind wir es immer noch, weil wir immer gebraucht wurden und werden.

Der Neofaschismus präsentiert sich heute im neuen teils bürgerlichem Gewand, er hat sich angepasst und ist schwerer zu durchschauen wie das Entstehen der NSDAP oder Gruppen wie der Wehrsportgruppe Hoffmann Ende der 90er Jahre.

Sie lassen sich die Haare wachsen und haben Ihre Bomberjacken und Stiefel eingemottet. Sie sind mit Smartphones unterwegs und zeigen sich nicht mehr offen rassistisch/faschistisch.

Aber sie sitzen schon wieder in Stadt und Landesparlamenten wie Pro NRW bei uns im Solinger Stadtrat.

Sie treffen sich bei Pegidas oder Kögidas und bilden unerkannt aber präsent die Schutztruppe bei diesen Veranstaltungen.

Dass solche Veranstaltungen in Solingen keine Rolle spielen, ist der breiten antifaschistisch eingestellten Haltung der Solingerinnen und Solinger zu verdanken. Ein Teil dieser Bewegung ist SOLINGEN AKTIV.

 

In der Tradition konsequent antifaschistisch stehen wir hinter den Widerstands-kämpfern um Karl Bennert und Willi Dickhut.

 

Außer Faschisten und religiösen Fanatikern steht unser Personenwahlbündnis allen Weltanschauungen, politischen Richtungen und Religionen offen.

 

SOLINGEN AKTIV unterstützt deshalb ausdrücklich die Errichtung der Steele für Karl Bennert, die vor einigen Stunden am Walder Stadtsaal enthüllt wurde, wie wir auch die Benennung einer Straße oder eines Gedenksteines für den Kommunisten Willi Dickhut befürworten.

 

Als Vorstand und Redner für SOLINGEN AKTIV, Betriebsrat, Schwerbe-hinderten-Vertrauensmann und aktiver IG Metaller gedenke ich heute, auch im Namen der Mitglieder unseres Bündnisses an alle Opfer rechter Gewalt, nicht nur der Opfer des zweiten Weltkrieges sondern auch der Menschen, die in deutschen Städten in den Tod getrieben wurden und vor allem auch der Opfer des rechten Solinger Brandanschlages von 1993.

 

Für SOLINGEN AKTIV rufe ich alle Antifaschisten in Solingen, Parteien, Bündnisse, Gruppen und Einzelpersonen dazu auf, nicht auf Ihre eigenen Eitelkeiten zu beharren sondern sich als gemeinsame antifaschistische Bewegung zusammenzuschließen.

 

Allein sind wir nichts, gemeinsam aber stark.

 

Hoch die internationale Solidarität!

Rede von Gabi Gärtner am 8. Mai, Tag der Befreiung in Solingen

 

 

Liebe Kundgebungsteilnehmerinnen und -teilnehmer,

 

ich freue mich, dass sich heute so viele aus diesem besonderem Anlass hier eingefunden haben.

Auf den Tag genau vor 70. Jahren wurde das faschistische Naziregime endgültig zerschlagen. Die Restclique der Nazigrößen erklärte die bedingungslose Kapitulation. Wir verneigen uns heute vor Millionen Widerstandskämpfern und Opfern, die in diesem II. Weltkrieg ihr Leben ließen und vor all denen, die diese Befreiung unter Einsatz ihres Lebens erkämpft haben.

 

Wir ehren heute im Besonderen den Solinger antifaschistischen Widerstandskämpfer und Kommunisten, der unvergessliche Spuren nicht nur in unserer Stadt hinterlassen hat: Willi Dickhut.

Unter anderem seinem Mut, unmittelbar vor Anrücken der Amerikaner am 16. April 1945, ist es zu verdanken, dass die Stadt sich gegen die letzten Aufgebote, den brutalen Terror der Nazis ergab und vor einer Vernichtung bewahrt wurde. Nie gab es seit Ende des II. Weltkriegs derart viele Veranstaltungen zum Gedenken an die letzten Kriegstage, wie in diesem Jahr.

89 Prozent aller Bundesdeutschen werten diesen Tag laut einer Forsa-Umfrage zurecht als Tag der Befreiung.

Das belegt, dass das antifaschistische Bewusstsein in Deutschland gewachsen ist. So kommt auch kaum ein bürgerlicher Politiker mehr darum herum, sich als Antifaschist darzustellen.

 

Wenn mit Angela Merkel erstmals eine amtierende Regierungschefin in Dachau sprach, ist das eine Reaktion auf diesen Linkstrend. Sie sprach vom Schmerz der Opfer und appellierte, „niemals zu vergessen“ und klagte das Nazi-Regime ob seines rassistisch und antisemitisch begründeten Völkermords an.

Gleichzeitig verschweigt sie - wie die meisten anderen Spitzenpolitiker in ihren Ansprachen -, dass Hunderttausende Kommunisten und Sozialdemokraten in Konzentrationslagern für ihren Freiheitsdrang gefoltert und ermordet wurden und zu den hauptsächlichen Trägern des mutigen illegalen Widerstands im Faschismus gehörten.

Sie verschweigt auch, wer eigentlich diese größte historische Katastrophe in Deutschland verursacht hat.

 

Der Faschismus ist kein Unfall der Geschichte, keine Ausgeburt sadistischer Gehirne, die zufällig an die Macht kamen. Hitler redete damals vor dem versammelten Monopolkapital der Thyssen, Krupp, Siemens und IG Farben im Industrieclub. Dort wurde seine Machtübernahme abgesegnet, geplant und im Januar 1933 durchgeführt. Die 12 Jahre faschistischer Terrorherrschaft begannen.

Dazu brauchten sie Friedhofsruhe im Inneren, versuchten, die KPD an der Spitze des Widerstandes als erstes zu zerschlagen.Ebenso wurden weitere Organisationen der Arbeiterbewegung wie Gewerkschaften, SPD aber auch Naturfreunde und andere unterdrückt.

 

Mit der Volksverhetzung des Rassismus und Antisemitismus schufen sich die Faschisten eine Massenbasis unter unaufgeklärten Menschen mit wenig entwickeltem Klassenbewusstsein.

Die eigentliche Zielsetzung war aber die abgrundtiefe Feindschaft des Faschismus zum Sozialismus/Kommunismus, der Terror gegen die Arbeiterbewegung und das Ziel der Zerschlagung der sozialistischen Sowjetunion.

 

Der bürgerlichen Antifaschismus gibt sich als antifaschistisch und gegen den Krieg gerichtet, ist aber in seinem Wesen antikommunistisch und verwirrt die Massen durch eine Reduzierung des Faschismus auf seine rassistische, antisemitische Ausrichtung. Zweifellos muss unermüdlich das Leid, das diese rassistischen und antisemitischen Verbrechen verursachten haben, genannt werden und darf nie vergessen werden!

Die Reduzierung darauf aber verschleiert das eigentliche Wesen des Faschismus – die aggressivste Diktatur der Monopole gegen die (revolutionäre) Arbeiterbewegung und die Kommunisten, das Bollwerk der sozialistischen Sowjetunion.

Nur wenn wir dieses Wesen, den Zweck des Faschismus kennen, können wir wirksam von damals lernen und Schlussfolgerungen ziehen. Auch heute schwächt der Antikommunismus die breite antifaschistische Einheitsfront, wenn z.B. in Solingen die MLPD aus Aktionen von „Bunt statt braun“ ausgeschlossen wird.

 

Konsequenter Antifaschismus bedeutet heute auch Kampf gegen den modernen Antikommunismus.

Dieser Antikommunismus ist auch das eigentliche Motiv, warum Willi Dickhut im Solinger Stadtbild bisher nicht gewürdigt wurde – was längst überfällig ist:

Er war

  • zwischen 1933 - 1945 immer wieder politischer Gefangener in Gefängnissen und KZ's
  • 1935-1945 in der Leitung der illegalen Widerstandsgruppe der KPD in Solingen
  • ab April 1945 Sekretär des überparteilichen „Zentralausschuß der Antifa und Wiederaufbau Solingen“, ab Juni 1945 Vorsitzender des „Zentralausschuß der ANTINAZI-Bewegung“
  • ab Februar 1946 Stadtverordneter und Fraktionsvorsitzender der KPD im Solinger Stadtrat
  • im Vorstand der Ohligser Wohnungsbaugesellschaft und 60 Jahre Gewerkschaftsmitglied

 

Zum Anlass dieses 70. Jahrestag der Befreiung wurde in einem Gemeinschaftsantrag an die Ohligser Bezirksvertretung, der inzwischen von über 150 Menschen u.a. aus 6 Solinger Parteien, von Jugendlichen, Arbeitern, sogar Kleinunternehmern und Gewerkschaftsvorständen unterzeichnet wurde beantragt, Willi Dickhut eine Straße oder Platz zu widmen.

 

Willi Dickhut, der einmal sagte, er sei wahrscheinlich einer der meist-gehassten Menschen, erfährt so eine berechtigte überparteiliche breite Anerkennung für seine Verdienste.

 

Der Faschismus droht heute nicht akut. Aber Wachsamkeit ist geboten für Zeiten, wo sich die Herrschenden wieder gegen eine Revolutionierung unter den Massen auf diese volks- und arbeiterfeindlichen Kräfte stützen werden.

 

So wurde die faschistoide und ultrarechte Bewegung Pegida von vielen bürgerlichen Medien regelrecht gepuscht. Faschisten konnten am 1. Mai, oft geschützt von einem riesigen Polizeiaufgebot, demonstrieren und immer neue Details kommen als Licht, wie Teile der deutschen Geheimdienste die faschistische Terrorzelle NSU geschützt haben.

 

Für das Verbot aller faschistischen Organisationen und Parteien und ihrer Propaganda!

Wehret den Anfängen!

 

 

Was passierte vor 70 Jahren in Solingen?

 

Im April 1945 näherte sich die US-Armee Solingen.

Eine lebenswichtige Entscheidung stand an. In dem Buch von Willi Dickhut „So war's damals?“ wird berichtet:

„Noch am gleichen Abend besprachen wir die nächsten Aufgaben.

Kuno mußte tags darauf Ignaz aufsuchen und ihm auftragen, sofort die Genossen und Sympathisanten zu mobilisieren, die dann die Bevölkerung auffordern sollten, weiße Fahnen zu hissen, die Panzersperren ( …) zu beseitigen und Soldaten in ihren Quartieren zur Flucht zu verhelfen … .

… ich schrieb in der Zeit den Text, und am Abend hatten wir einige tausend Flugblätter fertig. Sie wurden am Tage darauf ausgeliefert und abends verteilt.

Es wurden Massendiskussionen mit Soldaten organisiert. (...)

Die Folge war, daß sich ein Truppenteil nach dem anderen auflöste. (...)

Die Massen der Antinazi-Bevölkerung wurden mobilisiert und zum Rathaus in Solingen-Wald, dem Sitz der Nazi-Parteiführung, dirigiert. Die Massen waren in aufgeregter Stimmung und immer deutlicher drang die Entschlossenheit durch, die Verteidigung Solingens mit allen Mitteln zu verhindern. (...)

Aus dieser Stimmung heraus faßten einige Mitglieder der Antinazi-Bewegung den kühnen Entschluß, einen Vorstoß zur Kreisleitung der Partei und der Polizei zu machen, um, wenn nötig, mit Gewalt die Zustimmung des Kreisleiters Bülow und seiner Clique zur Waffenniederlegung zu erzwingen. In den sich nun abspielenden Verhandlungen wurden die Kreisleitung und die Polizei vollständig kaltgestellt. (...).

In der Nähe des früheren Gewerkschaftshauses wurde eine Frau getötet und eine schwer verletzt. Ein Antinazi leistete der Waffen-SS bewaffneten Widerstand, wodurch ein Major der Waffen-SS verwundet wurde. Daraufhin rückte die Waffen-SS ab. Nach dieser Abwehr wurde die Beflaggung mit weißen Fahnen weiter betrieben.

(…) Infolge des sich fortgesetzt steigernden Einwirkens der Antinazis stellten in vielen Stadtteilen die Batterien ihr Feuer ein. In einigen Fällen haben die Antinazis den Soldaten geholfen, die Geschütze und Munition in die Luft zu sprengen.“

Man muß in dieser Situation berücksichtigen, daß allen Beteiligten die (…) Erklärung Himmlers (bekannt war), in der unmißverständlich gedroht wird: „... jedes Dorf und jede Stadt werden mit allen Mitteln verteidigt und gehalten. Jeder für die Verteidigung des Ortes verantwortliche deutsche Mann, der gegen diese … nationale Pflicht verstößt, verliert Ehre und Leben.“

Unsere Zersetzungsarbeit unter den Soldaten, Polizisten und NSDAP-Mitgliedern wurde mit äußerster Anstrengung betrieben und – hatte Erfolg! Die Nacht der faschistischen Diktatur versank – es dämmerte der Morgen.“ (So wars damals, S. 363 folgende)

 

Dieses lebensmutige Vorgehen rettete vielen Solingern das Leben und bewahrte die Stadt vor weiterer Zerstörung.

 

Über den tatsächlichen antifaschistischen Widerstand hier in Solingen hat bestimmt keiner von Euch in seinen Schulbüchern erfahren. Wenn überhaupt über den Kommunistischen Widerstand berichtet wird, dann soll er als zwar heroische aber zwecklose Verzweiflungstat hingestellt werden.

So behauptet ein aktuelles Schul-Lehrbuch des Klett Verlages:

„Die KPD leistete zunächst den engagiertesten Widerstand.“ … Mit diesen riskanten Aktionen erreichte die KPD allerdings nur, dass ihre aktivsten Mitglieder zu Tausenden verhaftet und ins KZ gesperrt wurden. …

Alle diese Gruppen wurden jedoch von der Gestapo erfolgreich infiltriert und zerschlagen.“

Eine seltsame Würdigung nach dem Motto: das hatten sie nun davon!

Merke: lass lieber die Finger von "engagiertem Widerstand" sonst landest du nur im KZ!

 

Willi Dickhut hat sich nie aus Angst vor Verhaftung vom notwendigen Widerstand abhalten lassen.

Aber er hat auch Immer vor abenteuerlichen Aktivitäten gewarnt.

Von der von Willi Dickhut nach seiner Entlassung aus dem KZ Börgermoor aufgebauten illegalen Widerstandsorganisation wurde nicht ein einziges Mitglied von der Gestapo erwischt.

Was Willi Dickhut auszeichnete war seine tiefes Vertrauen in die Menschen, auch wenn viele zeitweilig zu Kriegsbeginn dem Siegestaumel der Nazi-Propaganda erlegen waren.

Man muss sich das konkret vorstellen, über Jahre unter diesen Bedingungen zu arbeiten!

Dieses Rückgrat muss für uns alle Vorbild sein!

 

Ist es nicht dreist und respektlos, wenn die CDU-Fraktion allen ernstes das Stadtarchiv fragt, ob Willi Dickhut überhaupt antifaschistisch tätig gewesen sei?

Auch als die deutschen Truppen mit militärischer Überlegenheit tief bis vor Moskau, Leningrad und Stalingrad vorgedrungen waren, war er überzeugt, dass mit Sicherheit eine Wende zugunsten des Sozialismus eintreten muss.

 

Willi Dickhut war Arbeiter und Wissenschaftler.

Er untersuchte die gesellschaftlichen Kräfte, ihre Grundlage und ihre Bewegungen mit dem dialektischen Materialismus und entwickelte bereits in den Anfängen des II. Weltkriegs verblüffend richtige Prognosen über dessen Verlauf und Ausgang.

Weil die mündlich verbreitete Argumentation nicht mehr ausreichte, die Zusammenhänge im Kriegsverlauf komplizierter wurden, erarbeitet er zwischen 1941 und 1945 in der Illegalität Informations- und Schulungsmaterial.

650 Schreibmaschinenseiten wurden es – bis heute wertvollstes Material für den Kampf gegen den Faschismus!

Wir können davon heute lernen, dass es keinen Grund gibt, zu zweifeln, wenn es nicht so schnell zu Massenkämpfen gegen die massive Arbeitsplatzvernichtung kommt, wenn noch zu wenige Menschen die akute Kriegsgefahr in der Ukraine erkennen und in Antikriegsprotesten auf die Straße gehen.

Er hat unter schwierigsten Bedingungen im KZ und Gefängnis, sogar unter Soldaten Überzeugungsarbeit gemacht – und hatte damit Erfolg! In seiner Gefängniszeit mussten seine Wächter immer nach kürzester Zeit ausgetauscht werden, weil er sie überzeugte, Zersetzungsarbeit machte und diese so nicht mehr zuverlässig waren.

 

Willi Dickhut ist damit auch Vorbild und Ansporn für jeden, der heute verzagt ist, kein Vertrauen hat, dass die Menschen überzeugt werden können, den Kampf um ihre Befreiung aufzunehmen.

Das werden sie und wir alle müssen und werden daran weiterhin in unspektakulärer aber kontinuierlicher und zielklarer Kleinarbeit arbeiten!

 

Beteiligt an der Befreiung Solingens – v.a. an der vorher genannten Aktion im Walder Rathaus - war auch Karl Bennert und ich unterstütze ausdrücklich seine Ehrung heute in Solingen Wald, sowie von anderen Widerstandskämpfern.

Zweifellos hat Karl Bennert diese Ehre verdient, ebenso wie Tilde Klose eine Kommunistin, die in Solingen und der Leitung der illegalen Betriebsgruppe der Düsseldorfer Mannesmannwerke aktiv war und kürzlich eine Straße „bekommen“ hat.

Es ist aber pure Geschichtsfälschung und antikommunistische Intrige, oder kleinkarierte Revanche für Willi Dickhuts spätere Kritik an der Restauration des Kapitalismus in der Sowjetunion wenn Willi Dickhut als Leiter der Widerstandsgruppe von verschiedenen Kräften – vom bürgerlichen Lager bis hinein in Teile der DKP – heute totgeschwiegen wird.

Es war für uns keine Sekunde in Frage gestellt, dass wir auch die Würdigung von Karl Bennert unterstützen.

Dass aus der DKP Solingen fast keiner den Antrag auf eine Willi-Dickhut Straße unterstützt hat, ist unwürdig.

 

Natürlich, es war Mitte der 1950 er Jahre für manchen hart, dass Willi Dickhut schon damals das große „Idol“ Sowjetunion kritisierte, und kritisch beobachtete, später nach wies, dass der Sozialismus in der SU und DDR verraten wurde.

So bitter diese Niederlage war, so sehr muss man heute sagen, er hat recht behalten!

 

Ich sage das ohne Häme und auch mit der Verpflichtung alle Errungenschaften etwa der Entnazifizierung der DDR zu würdigen. Aber auch mit der Verpflichtung aus allen Fehlern die dort gemacht wurden zu lernen, wenn man einen neuen Aufschwung im Kampf für den Sozialismus gegen den überlebten Kapitalismus erreichen will!

Willi Dickhut hat für diese Kritiken und Analysen viel Hass auf sich gezogen. Heute können wir sagen, dass sie seine Weitsicht und Geradlinigkeit zeigen!

 

An den Tatsachen der Rolle der Kommunisten im Kampf gegen den Faschismus kann auch der moderne Antikommunismus nicht rütteln.

So spricht Bundespräsident Gauck in der Süddeutschen Zeitung vom 1. Februar zurecht „Dankbarkeit und Respekt“ gegenüber der damaligen Sowjetunion aus.

Selbst Politiker wie er kommen um eine Ehrung der Roten Armee unter Stalin für ihre Verdienste der Befreiung vom Faschismus nicht mehr hinaus.

Allerdings fügt er hinzu, dass dies auch „ungeachtet der Tatsache“ gelte, „dass die sowjetischen Befreier nach dem Krieg als Besatzer im Osten Deutschlands für Unfreiheit, Unterdrückung und Verfolgung gesorgt hätten.“

Das stellt die Geschichte auf den Kopf.

In Osteuropa wurden die Großgrundbesitzer und Konzerne enteignet, die Nazi-Verbrecher bestraft und die kleinen Nazis laufen gelassen. Nazi-Parteien wurden verboten.

Umgekehrt im Westen: Außer dem nicht mehr zu haltenden Dutzend der Nazispitze, das im Nürnberger Prozess verurteilt wurde, wurden hohe Amtsträger der zweiten Reihe wieder in ihre Funktionen in Staat und Wirtschaft eingegliedert.

Und im Gewand der bürgerlichen Demokratie wurde mit Hilfe der Westallierten die Monopoldiktatur der Krupp, Thyssen, Siemens, Bayer usw. wieder errichtet.

 

Und zwar auf aggressiver antikommunistischer Grundlage!

 

Dafür steht die Verfolgung und das Verbot der KPD 1956, die Partei, die 1948 in Solingen als zweitstärkste Kraft 23 Prozent der Stimmen bekam.

Der Antikommunismus ist bis heute Staatsreligion in der BRD.

Er hat nur seine Formen und Methoden gewandelt.

Er gibt sich offen für Freiheit und Demokratie, aber jeder der sich die Freiheit nimmt, über den Kapitalismus hinaus zu denken, oder gar für eine kritische, aber auch positive Würdigung der damaligen kommunistischen Weltbewegung und damit auch von Stalin einzutreten, wird als Extremist geächtet.

Ganz in dem Sinne behaupteten im April Bezirksvertreter der CDU hier in Ohligs “Willi Dickhut könne man nicht würdigen unbenommen seiner Leistung im Widerstand, weil er sich später staatsfeindlich verhalten hätte“.

Es wurde sogar die Frage aufgeworfen, ob er nicht noch „anderes auf dem Kerbholz habe“, sonst wäre ihm doch nicht das aktive und passive Wahlrecht abgesprochen worden...

Solchen Fragen kann man bestenfalls Naivität, wahrscheinlich aber eher Ignoranz und dumpfen Antikommunismus bescheinigen.

 

So wurden nach dem politischen Sonderstrafrecht von 1951 bis 1961 rund 200 000 Ermittlungsverfahren eingeleitet, die rund 500.000 Bundesbürger betrafen.

Zur ihrer Kriminalisierung reichte oftmals schon aus, dass sie die Volksbefragung gegen die Wiederbewaffnung Deutschlands nach dem 2. Weltkrieg unterstützten.

Diese wiederum wurde von über 9 Millionen Menschen in Deutschland trotz Verbot unterstützt.

Zehntausende insbesondere auch Kommunisten wurden entsprechend der Grundlinie des ultrareaktionären KPD-Verbots verurteilt, ihnen ihre bürgerlich-demokratischen Rechte und Freiheiten aberkannt, sie wurden bis zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt und viele auch enteignet.

 

Deshalb protestieren wir entschieden gegen die antikommunistisch motivierte skeptische Verunglimpfung antifaschistischer Widerstandskämpfer, die sich auch noch rechtfertigen sollen!

Dass die Hauptträger der Anti-Stalin Hetze übrigens bis heute die Faschisten sind, wurde durch einen Antrag des Pro-NRW Vertreters im Solinger Stadtrat gestern deutlich.

Er bezeichnet darin die Widerstandskämpferin Tilde Klose als Stalinistin und meint, dann könnte man gleich Horst Wessel ehren, denn Stalinismus und Nationalsozialismus seien nur zwei Seiten einer Medaille sozialistischer Menschenfeindlichkeit.

Das zeigt nur die perversen Auswüchse, die in letzter Konsequenz die Gleichsetzung der größten Gegner – von Faschismus und Sozialismus hervor bringt.

 

Der Sozialismus bedeutet Befreiung von Ausbeutung und Unterdrückung.

Der Faschismus, der sich nur zur demagogischen Tarnung „nationalsozialistisch“ nannte ist ihre brutalste Herrschaftsform!

 

Willi Dickhut ist seiner Überzeugung treu geblieben für das Ziel der Freiheit von jeder Ausbeutung und Unterdrückung des Menschen durch den Menschen - der echte Sozialismus!

Ihm wird also angelastet, dass er sein Leben lang für seine Ideale gekämpft hat;

  • dass er sich nicht einer der bürgerlichen Parteien und dem Wiederaufbau des deutschen Imperialismus anschloss.
  • dass er nie resignierte, und sein Leben der ungebrochenen Überzeugung für die Befreiung der Menschheit widmete.
  • Dass er Lehren zog für die Arbeiterbewegung, als die ersten sozialistischen Länder wieder zerstört werden konnten
  • dass er sich nicht zur Ruhe setzte, sondern als Vordenker der MLPD organisiert und gerade für die Zukunft der Jugend kämpfte

 

All dies ist für mich gerade ein Grund Willi Dickhut zu ehren!

 

Heute feiern Menschen auf der ganzen Welt die Befreiung vom Faschismus.

Wir grüßen Sie alle!

Wir grüßen insbesondere alle noch Lebenden, die oft unter Einsatz ihres Lebens gekämpft haben:

Aber auch 60-70 Mio. Opfer des Krieges

im Widerstand, im Gefängnis, im KZ, als Partisanen oder als Rotarmisten!

Wir grüßen alle, die die Lehren gezogen haben und heute unermüdlich gegen Faschismus, imperialistischen Krieg; gegen Ausbeutung und Unterdrückung kämpfen.

Das Leben von Willi Dickhut lehrt uns:

unermüdlich lernen und kämpfen!

 

Er liebte die Sätze von Bertolt Brecht:

 

Die Schwachen kämpfen nicht.

Die Stärkeren kämpfen vielleicht eine Stunde lang.

Die noch stärker sind, kämpfen viele Jahre.

Aber die Stärksten kämpfen ihr Leben lang.

Diese sind unentbehrlich!

 

Er war einer der stärksten.

Gehen wir auch diesen Weg!