Solingens Aktive des Jahres 2015: Die Nominierten

Zienab Zahran

(Willkommenstreff)

 

Zienab Zahran ist 37 Jahre alt, kommt aus Ägypten und ist mit einem Solinger verheiratet. Seit 2014 arbeitet sie ehrenamtlich und absolut zuverlässig im „Willkommenstreff für Flüchtlinge“ im Café Courage mit. Dieser Treff dient dem Austausch vor allem von Flüchtlingen aus Syrien, dem Irak und Ägypten, die sich gerne untereinander und mit Deutschen treffen würden, um schneller Deutsch zu lernen, Hilfen bei Alltagsproblemen in unserer Stadt wie Behördengänge oder Arztbesuche zu bekommen und einfach die Möglichkeit zu haben, außerhalb der Enge und Isolation im Heim zwanglos zusammenzukommen. Manche deutsche Unterstützer bringen auch Kleidung, Spielzeug und Malsachen für die Kinder oder benötigte Haushaltswaren ins Café. Zienab hat dabei von Anfang an ganz bescheiden eine Schlüsselrolle: Vor allem als unentbehrliche Übersetzerin der meist arabisch sprechenden Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak, Ägypten usw.. Darüber hinaus leistet sie wertvolle „Sozialarbeit“ durch Ausfüllen von deutschen Formularen, Beratung in Ämtersachen, Begleitung zu den Ämtern oder zu Ärzten, Hilfen bei der Wohnungssuche. Obwohl sie zwei Kinder im Alter von 9 und 2 Jahren hat, steht sie fast rund um die Uhr den Hilfesuchenden zur Verfügung. Auch ihre Kinder sind immer beim „Willkommenstreff“ dabei und helfen neu angekommenen Kindern, sich hier zurechtzufinden.

Klara H., Leonora H., Sinja W.

(Klasse 10a Friedrich-Albert-Lange-Schule)

 

Leonora schrieb uns (gekürzt): … Wir haben erfahren, dass im Gebäude der alten Grundschule meines Bruders Flüchtlinge untergebracht wurden. Mit 4 meiner Freundinnen sind wir dort ganz spontan hingegangen, um nur mal "Hallo" zu sagen und uns die Situation anzuschauen... Daraufhin beschlossen wir im August, jeden Mittwoch in das Heim zu gehen, um mit den Kindern zu spielen, Informationen zu vermitteln und uns zu unterhalten... Immer häufiger haben wir es in der Schule thematisiert, so dass sich viele unserer Mitschüler ebenfalls engagieren wollten. Wir haben uns überlegt, wie wir am besten Spenden sammeln könnten und haben mit einer super simplen Idee angefangen. Fast täglich stellen wir einen Kuchen ins Lehrerzimmer unserer Schule und eine Spendendose daneben. Jeder ist frei, soviel zu spenden, wie er möchte. Und unsere Lehrer waren bis jetzt auch immer großzügig. Mit dem Geld haben wir bis jetzt Babynahrung, Hygieneartikel jeglicher Art, Spielzeuge, Gutscheine, Schreibwaren etc. gekauft, erfolgreich und GERECHT verteilt. Durch unsere Aktionen helfen wir nicht nur Anderen, sondern sie hilft uns auch, die Lage besser zu verstehen und zu spüren. Und wenn eine Gruppe 15-Jähriger durch Kuchenbacken genug Geld auftreiben kann, um den Menschen eine Freude zu machen, dann sollten es auch die Regierungen der reichen Länder schaffen.

Carmen Hartung-Paashaus

(FoodSaving)

 

Carmen engagiert sich derzeit mit Leib und Seele im Foodsaving-Team der Malteser. Diese ehrenamtliche Aufgabe hat eine doppelte Bedeutung: Erstens Menschen in Not mit kostenlosen Lebensmitteln versorgen. Zweitens darauf aufmerksam machen, dass Lebensmittel, die in Geschäften nicht verkauft wurden, nicht auf den Müll gehören, sondern auf den Teller! Damit dieses „Umfairteilen“ gelingt, sammeln die Foodsaver wie Carmen in Supermärkten „restliche“ Lebensmittel und organisieren deren kostenlose Verteilung an verschiedenen Stellen an Bedürftige. Darüber hinaus ist Carmen seit Jahrzehnten in der Familie, in der Nachbarschaft, in der Arbeit, in Vereinen, bei sozialen Aktivitäten usw. immer mutig in vorderster Reihe aktiv. Als jahrelang allein erziehende Mutter von 3 Kindern engagierte sie sich im VAMF (Verein allein erziehender Männer und Frauen), war jahrzehntelang mutige Kassiererin in einem Solinger Supermarkt gegen die Willkür der Marktleiter, setzte sich in der Nachbarschaft ihrer Genossenschaftssiedlung für ein gutes Zusammenleben ein, war immer im besten Sinn furchtlose Streiterin um der Sache willen, ist bis heute trotz schwerer Krankheiten nicht kleinzukriegen in ihrem sozialem Engagement und Lebensmut. Für SOLINGEN AKTIV hat sie bei den letzten Kommunalwahlen 2014 in ihrer Siedlung kandidiert – auch wenn sie kein Mitglied ist.

Am 14. Januar 2012 hat SOLINGEN AKTIV erstmalig einen neuen Ehrenpreis verliehen.

 

Jährlich soll nun der "Aktive Mitbürger", der sich für Solingen oder die Allgemeinheit verdient gemacht hat, ausgezeichnet werden.

 

Über die Vergabe des Preises entschieden wird von den Mitgliedern von SOLINGEN AKTIV.

 

Wenn auch Sie eine Solingerin oder einen Solinger kennen, die eine Auszeichnung für besonders aktive Arbeit für unsere Stadt und ihre Bürger verdient hätte, schicken Sie uns eine kurze Mitteilung an

 

solingen-aktiv@gmx.de

 

Die "Solinger des Jahres 2014" sind: Astrid Fabricius & Dieter Richartz

Astrid Fabricius ist seit vielen Jahren ehrenamtlich im Botanischen Garten aktiv. In regelmäßiger tatkräftiger Kleinarbeit ist sie mit vielen hundert anderen Ehrenamtlern daran beteiligt, dass dieses Solinger Kleinod für Erholung, Naturschutz und Naturkunde uns Solingern erhalten bleibt. Denn nach den Plänen der Stadt hätte er schon vor vielen Jahren unsinnigen Sparplänen zum Opfer fallen sollen. Nach der Atomkatastrophe in Fukushima im März 2011 beteiligte sie sich auch längere Zeit an der Montagsdemo. Als mit dem „Haushaltsplan 2015“ die Stadtverwaltung die Zuschüsse für die Unterhaltung des Botanischen Gartens streichen wollte und dieser daher erneut in seiner Existenz gefährdet war, organisierte sie mit ihren Mitstreitern Proteste - so mit einer Online-Petition. Darüber hinaus beteiligte sie sich mit anderen Mitstreitern aktiv an der Demonstration am 22. November gegen den Haushaltsplan 2015. In ihrer engagierten Rede wandte sie sich auch ausdrücklich gegen jede Art von hetzerischer Stimmungsmache gegen SOLINGEN AKTIV und verteidigte dessen aktive kommunale Rolle.

Dieter Richartz arbeitete sage und schreibe 46 Jahre bei der Firma Olbo, die im Herzen von Ohligs Gewebe für industrielle Förderbänder herstellte. Er war dort Schwerbehindertenvertreter und stellvertretender Betriebsratsvorsitzender. Konsequent setze er sich für Interessen der international zusammengesetzten Belegschaft ein. Als das Werk 2006 schloss und hunderte Arbeiter arbeitslos werden sollten, organisierte er den Protest. Er war Mitinitiator einer kämpferischen Demonstration durch Ohligs, die damals von SOLINGEN AKTIV mit auf die Beine gestellt wurde. Obwohl inzwischen schwer erkrankt engagiert sich Dieter Richartz weiter für "seinen" Stadtteil Ohligs und die Erinnerung an das Werk. So beantragte er in der Bezirksvertretung Ohlig-Aufderhöhe erfolgreich, dass beim Bau des neuen "O-Quartiers" ein Schild an die Firma erinnern soll. Kurz vor dem Abriss der alten Olbo-Gebäudes sicherte er gemeinsam mit Kollegen das traditionsreiche Firmenschild, das vom Textilmuseum Bocholt ausgestellt werden wird. Auch darüber hinaus nimmt er kritisch und kreativ an allem Anteil, was um ihn herum passiert: Ob es die Entwicklung des Arbeitsmarktes in Solingen ist, ein möglicher neuer Standort für den ehemaligen Brunnen am Bremsheyplatz oder die Sauberkeit im Stadtteil.