Europäischer Stahlaktionstag in Brüssel war kalt, nass, kämpferisch und doch herzerwärmend!

 

Aus ganz Europa haben sich am 9.11.2016 etwa 15.000 Stahlarbeiter(innen) in Brüssel vor dem Europäischen Parlament zusammengefunden um für ihre Stahlstandorte und um ihre Arbeitsplätze zu kämpfen.

Dem europäischen Parlament wurde eine Unterschriftenliste von 100.100 Kolleginnen und Kollegen übergeben, die das Parlament auffordert, endlich aktiv zu werden, um die europäische Stahlproduktion zu sichern!

Von Finnland, Schweden, Norwegen bis zum anderen Ende nach Spanien und Italien trafen die kämpferischen Kolleginnen und Kollegen in Brüssel ein…..

Mittel und unmittelbar sind auch Standorte im bergischen und oberbergischen Land von dieser Entwicklung betroffen.

Sona, SMST (Mannesmann Röhrenwerk) und Thyssen Krupp Gerlach in Remscheid bekommen die Konkurrenz hautnah zu spüren!

Das kann uns Solinger nicht kalt lassen! Hier war Solidarität geboten und genau das hat SOLINGEN AKTIV auch in diesem Konflikt gezeigt. Viele Solingerinnen und Solinger arbeiten in der Nachbargemeinde oder unterhalten wirtschaftliche Kontakte zur hiesigen Stahlindustrie, wovon auch in Solingen viele Arbeitsplätze abhängen.

15.000 Stahlwerker sind bei nasskaltem Wetter auf die Straße gegangen und wehren sich gegen eine Konkurrenz, die „nicht“ die Stahlwerker in China oder in Indien sind! Die Gegner sind die Konzerne, die sich im erbarmungslosen Konkurrenzkampf immer weiter in den Preisen unterbieten um die Marktherrschaft zu erringen!

Es gibt keine weltweiten Standards zum Umweltschutz in der Stahlproduktion und wo Umweltschutz keine große Rolle spielt, da sind die Kosten nicht so hoch, ich kann mein Produkt billiger anbieten.

SOLINGEN AKTIV engagiert sich im Umweltschutz und beim Erhalt der Arbeitsplätze in der Region.

Welchen anderen Rat könnte SOLINGEN AKTIV den betroffenen Menschen geben als den, die Sicht danach zu richten, wer Verursacher der weltweiten Armut und dem Konkurrenzdenken ist….

Wir einfachen Menschen und Arbeiter(innen) sind es sicher nicht!

 

 

 

 

Kaiser`s-Märkte und Arbeitsplätze in Solingen nun gerettet?

 

„Die Schlichtung ist erfolgreich abgeschlossen, 15.000 Arbeitsplätze sind gesichert“. Das tönte Gabriel am 31.10.2016 vor der Presse und düste dann ab nach China.

Ist die Schlichtung im Interesse der Beschäftigten oder im Interesse der beteiligten Lebensmittelkonzerne erfolgreich abgeschlossen? Und was verbirgt sich hinter dieser Nachricht?

Tatsache ist, dass die Kaiser`s-Kette in Teilen „abgewickelt“ werden soll. Die Filetstücke der Märkte in Berlin gehen an REWE, der größte Teil, überwiegend in Bayern an Edeka und für den Rest, vor allem für die ca. 100 weniger rentablen Filialen in NRW ist noch nichts geklärt.

Weder Sigmar Gabriel noch den Verantwortlichen bei Edeka oder REWE geht es hier um den Erhalt der Arbeitsplätze. Die werden als bittere Pille verstanden, die die Konzerne beim Erwerb der Läden in „bester Lage“ mitschlucken müssen.

Das allerdings gilt nicht für die Filialen in NRW. Auch nicht für die über 4000 Arbeitsplätze in Mühlheim (Dienstleistungszentrum) und Viersen (Logistik)!

Der Konkurrenzkampf im Lebensmittelgewerbe ist gnadenlos. Er kennt keine Rücksichtnahme auf faire Tarifbindung, den Interessen der Beschäftigten oder fairen Umgang mit den Bauern und anderen Zulieferern.

In der Schlacht um die Märkte und um den Maximalprofit wollte Karl Erivan Haub, Besitzer von Kaiser`s Tengelmann mit Edeka fusionieren was am Widerstand von REWE, NORMA, Aldi, der Schwarz Gruppe(u.a. Lidl) und der Metro scheiterte. Da half auch eine scheinheilige Ministererlaubnis von Sigmar Gabriel 2015 nichts.

Mit dem „Engagement“ für Kaiser`s haben der angeschlagene Wirtschaftsminister Gabriel und seine SPD versucht, den ramponierten Ruf nach der Agenda 2010, steigender Rüstungsexporte und nicht zuletzt CETA ihren Ruf als Arbeitsplatzretter aufzupolieren.

Das ist gründlich danebengegangen! Nicht zuletzt auch wegen eines Schlichters Gerhard Schröder. Das haben viele schon geahnt. Das kann nichts Gutes werden.

Deshalb reagiert der Betriebsratsvorsitzende in Berlin, Volker Bohne auch e-her skeptisch auf diese Entscheidung.

Bewegung kam in den Prozess vor einigen Monaten, durch das rechtliche Ve-to der Konkurrenz, die auch über die Medien bekannt gemacht wurde. Die jahrelange Ungewissheit der Beschäftigten um die Zukunft ihrer Arbeitsplätze rückte plötzlich in den Fokus und sensibilisierte die Belegschaft und die Öffentlichkeit. Das zwang die Akteure zum Handeln.

Zu frisch sind die Erinnerungen um die skandalöse Abwicklung des Schlecker Konzernes und seiner rechtlichen Konsequenzen gegenüber persönlicher Vorteilsnahme, Insolvenzverschleppung und Lohnbetrug an den Angestellten!

 

Diese Erkenntnisse werden den Kaiser`s-Beschäftigten nur dann helfen, wenn sie ihre Rechte kennen, wenn sie sich als „eine“ Belegschaft zusammenschließen und sich wehren und wenn wir als SOLINGEN AKTIV`ler, als Kunden und als Bürger unserer Stadt uns an die Seite der Kolleginnen und Kollegen von Kaiser`s stellen und die Kämpfe, die Sorgen und Nöte der Belegschaften mit unterstützen!

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen von Kaiser`s:

 

Euer Kampf ist unser Kampf. Eure Sorgen sind unsere Sorgen.

Das haben Jan Sühlo und Janis Fischer, zwei SOLINGEN AKTIV`ler aus unserer Jugend am 1ten Mai 2016 bei der DGB (Deutscher Gewerkschaftsbund) Kundgebung vor ca 900 Solinger und Solingerinnen in die Mikros gesprochen.

(Der Film (1ter Mai 2016) ist übrigens auf der Homepage unter Aktive Medien zu sehen)

Und das haben sie auch so gemeint! SOLINGEN AKTIV steht an der Seite der einfachen Menschen in Solingen. Wir sind ihr Sprachrohr und unterstützen jede Initiative, wo sie ihre Dinge in die eigenen Hände nehmen wollen oder schlicht; wo sie Hilfe benötigen.

Dieses Angebot haben wir Euch schon gemacht, als wir persönlich in Eure Filialen in Solingen gekommen sind, das wollen wir nochmals bekräftigen!

Wenn wir uns zusammenschließen mit den Zulieferern, mit der Jugend, die die Ausbildungsplätze in den Märkten braucht, wenn wir Verbraucher uns gegen die Vernichtungsschlacht im Lebensmittelmarkt entscheiden, können wir etwas bewegen.

Die Empörung über die Vorgänge bei Tengelmann, der entstehende Widerstand sich dem Diktat der Bonzen und Bonijäger nicht mehr zu beugen hat ja schon Bewegung in die Sache gebracht!

 

SOLINGEN AKTIV steht weiterhin solidarisch an der Seite der Kaiser`s-Belegschaften in Solingen!

 

 

 

Solidarität mit den Kaiser's-Beschäftigten gegen den Ausverkauf ihrer Filialen in Solingen!

 

Mit der Solidaritätserklärung gegen die Ungewissheit um den Erhalt der Arbeits-plätze sind wir heute durch die drei Filialen vom Discounter Kaisers gezogen und haben mit Beschäftigten und Kunden über die unverschämte Abwicklung der Standorte und den drohenden Arbeitsplatzverlust diskutiert.

Dabei stellten wir fest, dass die Verunsicherung in der Belegschaft groß, die Wut und Empörung über das schäbige Verhalten der Konzernführung aber noch größer ist.

„Wir wissen innerbetrieblich nicht mehr, als alle anderen aus den Medien auch“, meinten etliche Beschäftigte.

Viele fürchten, das nach dem Ausverkauf der Standorte sowieso alle tariflichen Strukturen zerschlagen sind.

Selbst die Leute, die von einem anderen Besitzer übernommen werden, müssen neue Verträge zu schlechteren Konditionen unterschreiben oder gehen. Ge-werkschaftsvertreter und Schwerbehinderte könnten einen ungleich schwereren Stand haben.

„Ich bin schwerbehindert und über fünfzig; Wo finde ich noch einen Job?“ hieß es von einem Kollegen….

Seit zwei Jahren dauert nun schon der zermürbende Nervenkrieg um die Zukunft der Kette, da darf die Frage erlaubt sein:

Ist das von langer Hand geplant oder nur reiner Zufall, das es zu dieser Situati-on gekommen ist?

Edeka hat sein Angebot über den Kauf von Einzelstandorten unterbreitet. Da Edeka seine Kette mittlerweile über Franchisenehmer unterhält, hätte sie unter Ausschluss des §613a BGB, der das Unternehmen zur Übernahme aller Beschäftigten gezwungen hätte, das heißt unter Umgehung geltender Gesetze und der Tarifvertragsbindung nach fünf Jahren der Vertragstreue ohnehin zerschla-gen.

Wo wäre da der Segen geblieben, den Wirtschaftsminister Gabriel (SPD) medi-enwirksam verkündet hat und im gleichen Atemzug die Gewerkschaften und die Belegschaft ans Messer liefert?

Mit rund 22 Arbeitsplätzen je Filiale stehen 66 Arbeitsplätze in Solingen auf der Kippe!

Eines ist wichtig bei der ganzen Frage um die Zukunft der Kaisers Filialen bundesweit:

Die Belegschaft darf sich nicht spalten und einwickeln lassen im augenscheinli-chen Konkurrenzkampf um die Arbeitsplätze durch den Erhalt „Ihrer“ Filiale.

 

Der Kampf ist bundesweit und er muss um jeden Arbeitsplatz und jede Filiale geführt werden!

„Was sollen wir denn machen“?...haben uns viele Beschäftigte gefragt.

Öffentlichkeit herstellen, Rabatz machen, streiken, streiten, sich zusammenschließen und gemeinsam zur Wehr setzen.

Wir haben den Belegschaften der Solinger Filialen nicht nur unsere Solidarität mitgeteilt sondern auch angeboten sie bei ihrem Kampf mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu unterstützen.

 

Andi Fischer und Christoph Gärtner

 

 

 

An die Belegschaft von Kaiser’s/Tengelmann

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

als Vorstand von SOLINGEN AKTIV sprechen wir Euch unsere volle Solidarität aus.

 

Bis zu 15.000 Arbeitsplätze von Kaiser‘s/Tengelmann sollen im Vernichtungskrieg der Lebensmittelkonzerne auf dem Altar der Höchstprofite und Spekulation geopfert werden.

Weder die Interessen der Verbraucher noch Eure Arbeitsplätze interessieren die Konzerne im Geringsten.

 

Das dürft Ihr Euch nicht gefallen lassen.

 

Wir unterstützen alle Proteste und Kampfmaßnahmen gegen die Arbeitsplatzvernichtung und Bedrohung Eurer Existenzen und fördern die Solidarität auch mit anderen Kolleginnen und Kollegen in Solingen.

Unsere Erfahrungen aus vergangenen Arbeitskämpfen (Grossmann, OLBO, BIA, Malteser-Hilfsdienst – gemeinsam mit den zuständigen Gewerk-schaften und darüber hinaus) stellen wir Euch zusammen mit unseren Räumlichkeiten (Büro + Equipment) gerne zur Verfügung.

 

Informiert Euch über SOLINGEN AKTIV im Internet unter www.solingen-aktiv.de, auf youtube oder facebook.

 

Kommt zum gemeinsamen Protest und Erfahrungsaustausch zur Montagsaktion am 24.10.2016 um 18 Uhr in der Innenstadt beim dm Ecke Kirchstr./Kölner Str.

 

„Nur wer kämpft kann auch gewinnen.“

 

 

 

Gabi Gärtner, 14. April 2016

Stadtratsmitglied für das Wahlbündnis SOLINGEN AKTIV

 

Anfrage und Antrag an die Stadtratssitzung am 28. April 2016

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Kurzbach,

sehr geehrte Damen und Herren Ratsmitglieder,

ich nahm heute morgen am Warnstreik der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Firma BIA teil und möchte hiermit beantragen, aus Dringlichkeitsgründen einen Tagesordnungspunkt zur dortigen Situation auf die Ratssitzung am 28. April 2016 zu nehmen.

Wie Sie wissen fordert die Belegschaft in diesem größten Betrieb Solingens seit längerem höhere Löhne und eine Tarifbindung an den Flächentarifvertrag der IG-Metall. Der Grund ist, dass sie bisher nur knapp über dem Mindestlohn für ihre harte 3-Schichtarbeit bezahlt werden. Die Löhne dort liegen zwischen 30 und 50% unter dem gegenwärtigen IG-Metall-Tarif. Viele Beschäftigte haben noch Zusatzjobs, um überhaupt über die Runden zu kommen. Auf Druck der Belegschaft hat sich die Geschäftsleitung zu leichten Lohnerhöhungen bereit erklärt - aber immer noch deutlich unter dem IGM-Tarif, sowie ohne Tarifvertrag mit der IG-Metall. Das hat eine Mitgliederversammlung der IG Metall letzten Monat zu Recht abgelehnt.

Daraufhin setzten ausgehend von der Geschäftsleitung massive Repressalien und Druck gegen die Belegschaft ein. Das richtete sich vor allem gegen die, die sich in der IG-Metall organisiert haben und die kämpferisch aktiv geworden sind. Ihnen wurden vorformulierte Kündigungsschreiben aus der IG-Metall in Verbindung mit Einzelgesprächen vorgelegt. Ich konnte heute selbst mitverfolgen, wie alle Streikenden von Mitgliedern bzw. Beauftragten der Geschäftsleitung fotografiert und gefilmt wurden, befristete Beschäftigte bzw. Leiharbeiter bedroht wurden, dass sie sich gut überlegen sollten, ob sie an dem heutigen Warnstreik teilnehmen. Einem Leiharbeiter wurde von der Geschäftsleitung gedroht, dass man gegenüber seiner Leiharbeitsfirma melden würde, dass er am Warnstreik teilgenommen hat.

Es ist meines Wissens nach in der jüngeren Solinger Geschichte einmalig, dass eine Geschäftsleitung ihre Belegschaft dermaßen unter Druck setzt. Auch die Erpressung, wenn die Arbeiter ihre Forderungen weiter aufstellen und dafür kämpfen würden, würde man den Betrieb verlagern, ist nicht hinnehmbar. Das alles verstößt gegen die Rechte der Arbeiter, sich gewerk-schaftlich zu organisieren (Koalitionsrecht).

 

Hier kann sich die Politik nicht heraus halten, sondern muss Farbe bekennen.

Ich beantrage deshalb folgende Solidaritätsresolution des Stadtrates zur Verabschiedung:

"Der Rat der Stadt Solingen erklärt sich solidarisch mit der Belegschaft der Firma BIA in Solingen. Berechtigt hat die Belegschaft den Kampf gegen Niedriglöhne aufgenommen, die bei BIA zum Teil nur knapp über dem Mindestlohn liegen. Sie wehrt sich zudem gegen Repressalien, die sie auf-grund ihrer Proteste erfahren musste. Als Kommunalpolitiker wissen wir, welche verheerenden Fol-gen Niedriglöhne für die Arbeiterinnen, Arbeiter und ihre Familien, aber auch die Kommunen haben. Immer mehr Beschäftigte verdienen so wenig, dass sie unter anderem durch kommunale Gelder als sogenannte "Aufstocker" ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Der Rat der Stadt verteidigt das Koalitionsrecht der Arbeiterinnen und Arbeiter, sich in einer Gewerkschaft zu organisieren und verurteilt die Versuche, die Belegschaft darin einzuschränken. Auch das Recht auf Streik muss verteidigt und erweitert werden. Der Rat der Stadt stellt sich hinter alle Kolleginnen und Kollegen, die von Repressalien aufgrund ihrer Teilnahme an den Protestaktionen bedroht sind."

 

Außerdem möchte ich gerne folgende Anfrage an die kommende Ratssitzung stellen:

  • Wie beurteilt die Verwaltung die Vorgänge bei der Firma BIA?
  • Haben Politik und Verwaltung Anstrengungen unternommen, für die Einhaltung der Rechte der Belegschaft einzutreten?
  • Welche Möglichkeiten sehen Rat und Verwaltung, die Belegschaft in im Kampf um ihre berechtigten Forderungen zu unterstützen?

 

Mit freundlichen Grüßen

Gabi Gärtner

 

 

 

Solingen, 15. April 2016: Politischer Warnstreik der BIA-Belegschaft

 

Donnerstag, 14. April 5:00 Uhr früh: gut 100 vor allem junge Kolleginnen des Solinger Galvanikbetriebs BIA führen ihren 2. Warnstreik in diesem Jahr durch. Der Grund: Sie streiken für einen Tarifvertrag. Denn in dem Automobilzulieferer-Betrieb mit ca. 1000 Beschäftigten – inzwischen der größte Solinger Betrieb - werden immer noch Löhne noch nach Gutsherrenart und Nasenprinzip bezahlt. Die Löhne für die überwiegend jungen breit international aufgestellten Arbeiterinnen liegen für diese hochkonzentrierte Knochenarbeit im Dreischichtbetrieb ca. 30-50 % unter dem IG-Metall-Tarif - oft nur knapp über dem Mindestlohn. Eine empörte Arbeiterin asiatischer Herkunft: „Jetzt arbeite ich über 10 Jahre hier in 3-Schicht und bekomme immer noch nur 10 € Stundenlohn. Bei den Gesprächen zur Lohnerhöhung wird mir gesagt: du warst ja zweimal krank - also bekommst du nicht mehr.“. Viele andere haben neben der 3-Schichtarbeit in Vollzeit noch 1 bis 3 Zusatzjobs, um über die Runden zu kommen.

Aus Empörung über diese Zustände nahm die Mitgliedschaft in der IG-Metall rasant zu auf 600 - 700 Mitglieder. Dreist legte die Geschäftsleitung den Kollegen schriftliche Kündigungsformulare aus der IG Metall vor – natürlich nur als „Hilfestellung“ gedacht! Doch dieser Schuss ging nach hinten los: Mit ihrem 1. Warnstreik am 5. Februar (Bericht und Filme darüber auf der Homepage der IG Metall Remscheid-Solingen: http://igm-rsg.jimdo.com/) erzwang die Belegschaft Gespräche der Geschäftsleitung mit der IG Metall. Inhaber Jörg Püttbach war das zu teuer. Stattdessen machte er eine sogenannte „Gesamtzusage“ als einseitige Willenserklärung mit gezielt spalterischen Lohnerhöhungen von zum Teil bis zu 20 %. Eine Frau: „Ich bekäme 2 € mehr“; Eine andere: „Ich aber nur 4 Cent!“ Dennoch willigte die IG Metall-Führung ein. Doch auch sie hatte die Rechnung ohne die Belegschaft gemacht: Bei einer Mitgliederversammlung wurde dieser faule Kompromiss abgelehnt und weiterhin ein Tarifvertrag gefordert. Der Druck und die Bespitzelung der kämpferischen Kolleginnen und Kollegen in Betrieb nahm enorm zu. Der Betriebsrat steht mehrheitlich auf der Seite der Geschäftsleitung. Als am 14. April diese Mehrheit den einzigen kämpferischen Betriebsrat zum Rücktritt von seinem Posten als Betriebsratsvorsitzender zwingen wollte, bekam dieser eine Herzattacke und musste ins Krankenhaus. Das war der Auslöser für den 2. Warnstreik nur einen Tag später.

Inhaber Püttbach sowie Geschäftsführer Fiedler je mit ihren Frauen mischten sich dreist unter die Streikenden und versuchten, sie persönlich unter Druck zu setzen und vom Streiken abzuhalten. Beauftragte der Geschäftsleitung fotografierten und filmten die Streikenden aus allen Positionen trotz heftigen Protestes. Doch die Streikenden blieben standhaft.

Neben der IG-Metall hatten sich auch Gewerkschafter und Betriebsräte anderer Betriebe sowie Vertreter von MLPD, DKP, Linkspartei und SOLINGEN AKTIV mit den Streikenden solidarisch erklärt.

SOLINGEN AKTIV verteilte schon zum 3. Mal ein Flugblatt an die Belegschaft, das reisenden Absatz fand. Der IG-Metall-Sekretär fand manche kämpferische Töne: “Es werden hier auch manche Flugblätter oder Zeitungen von Parteien verteilt – da kann man natürlich unterschiedlicher Meinung sein. Aber ich finde, unsere Gewerkschaft muss eine Kampforganisationen sein! Gegebenenfalls müssen wir auch eine Urabstimmung und einen Streik durchführen.“ Gleichzeitig verteidigte er aber die „angenehme Atmosphäre“ bei den Gesprächen mit der Geschäftsleitung und orientierte auf eine einvernehmliche Lösung.

Gabi Gärtner konnte als Stadträtin von SOLINGEN AKTIV zweimal sehr kämpferisch zu den Streikenden sprechen und bekam den größten Beifall. Sie prangerte sowohl die unverschämt niederen Löhne an, propagierte die Einbeziehung in den Tarifvertrag als Schritt aus der Vereinzelung der Belegschaft zum Zusammenhalt der Millionen Metaller, brandmarkte die unverschämte Bespitzelung durch die Geschäftsleitung an (worauf sich Herr Püttbach provokativ 2 Meter vor ihr aufzustellen versuchte, damit die Streikenden sie nicht sehen konnten!) und versprach breite überbetriebliche und kommunale Solidarität. Auch ein Vertreter der DKP und Helmut Böhmler von der MLPD sprachen ein Grußwort. Bei diesem Streik stand nicht nur die Ausbeutung durch die Hungerlöhne im Visier. Es war ein politischer Warnstreik! Denn im Visier standen auch wesentliche Elemente der kapitalistischen Unterdrückung wie Repressalien gegen das politische Recht auf Gewerkschaftmitgliedschaft und auf Streik, Spaltung und Bespitzelung der Kolleginnen, Niedriglöhne vor allem für Frauen, Erpressungsmanöver wie Verlagerung ins Ausland, falls der Tarifvertrag käme...

SOLINGEN AKTIV hatte schon mit 2 Flyern zuvor sowie bei einem Treffen seiner „Arbeitsgruppe AKTIV für Arbeitsplätze“ den Schulterschluss mit den BIA-Beschäftigten hergestellt. In einem weiteren Treffen dieser Arbeitsgruppe am 23. April um 15:00 Uhr im Büro von SOLINGEN AKTIV, Klemens-Horn-Straße 3, soll es mit möglichst viel Kolleginnen und Kollegen – insbesondere auch denen von BIA – um die gemeinsame Vorbereitung des 1. Mai gehen. Dabei schlägt SOLINGEN AKTIV vor, dass dort auch die BIA-Kolleginnen zu Wort kommen.

Weiterhin soll das gemeinsame Vorgehen bei einer von den BIA-Beschäftigten geplanten Demonstration am 28. April besprochen werden. Der Vorschlag von SOLINGEN AKTIV ist, dass die Kolleginnen um 17 Uhr in die Stadtratssitzung im Ohligs Festsaal (Talstr.) kommen und unsere Stadträtin Gabi Gärtner dort den Antrag stellt, dass sie für ihre Belange Rederecht bekommen. Gabi Gärtner hat auch an den Rat und den Oberbürgermeister einen Resolutionsentwurf zur Solidarisierung mit dem BIA-Beschäftigen gestellt (siehe Homepage). Man darf gespannt sein, wie der Oberbürgermeister und die anderen Parteien darauf reagieren.

 

 

 

 

1. Internationale Automobilarbeiterkonferenz erfolgreich durchgeführt!

 

Vom 14.10. bis 18.10.2015 waren im württembergischen Sindelfingen vor den Werktoren von Daimler Benz alle Signale auf internationalen Erfahrungsaustausch und Solidarität von Arbeiterinnen und Arbeitern aus der Autoindustrie, seiner Zuliefer-betriebe und allen engagierten Arbeitern gestellt. Im Bürgerhaus von Maichingen trafen Delegierte und Interessierte aus 20 Nationen unserer Erde in zahllosen Einzelforen und öffentlichen Delegiertenver-sammlungen zusammen, um gemeinsam in einer Automobilarbeiter-koordination den Grundstein für eine weltumspannende verbindliche Arbeiterbe-wegung zu legen. Teils bis zu 700 Personen nutzten das Treffen, um sich über die Lebens- und Arbeitsumstände in der internationalen Autoin-dustrie zu informieren.

 

Mit vier Teilnehmern aus Solingen fuhren wir also nach Sindelfingen.

Unsere Erwartungen waren unterschiedlich. Sie reichten vom „Lernen von anderen“ bis hin zum internationalen Erfahrungsaustausch der GM (General Motors/OPEL)-KollegInnen. In Foren „Gegen Werksschließungen und Massenentlassungen“ oder „Gesundheit am Arbeitsplatz“ und, wie schon erwähnt, in den markenbezogenen Foren GM und Bosch informierten wir uns und nahmen an den Diskussionen und eschlüssen AKTIV Anteil. Hier konnten wir auch viele Erfahrungen aus Solingen mit einbringen, wie die Werkschließung von Johnson Control, den abgewendeten Massentlassungen bei Mannesmann Kronprinz (Autoräder) oder den erfolgreichen Kampf der Grossmann Belegschaft um den Erhalt ihres Werkes.

Wir knüpften zahllose neue Bekanntschaften oder nutzten die Zeit für Diskussionen mit neuen und alten Freunden.

Am Freitag den 16.10.2015 marschierten wir in einer lauten, kämpferischen Demonstration der Automobilarbeiter mit durch Sindelfingen und solidarisierten uns mit dem weltweiten Kampf gegen Lohnsklaverei, prekäre Beschäftigung, Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft, Repressalien gegen kämpferische KollegInnen bis hin zum Mord an ihnen.

 

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Dies war nicht die erste Reise einer SOLINGEN AKTIV-Delegation zu einem Großereignis solcher Qualität. Eines aber ist sicher; Diese Reisen haben etwas Magisches…! Solidarität, Freundschaft, Respekt und jede Menge Spaß wie Ernst in der Sache, gute Gespräche und Zeit füreinander zu haben….

 

Das hat schon was. Wir können das für die Zukunft nur weiter empfehlen…..macht mit!

 

Andi Fischer

 

 

 

 

Aufstand des gewerkschaftlichen Gewissens:

10.269 Unterschriften für eine Gewerkschaft als Kampforganisation – ein voller Erfolg!

 

Seit November 2014 sammelten wir für die Petition „Aufstand des gewerkschaftlichen Gewissens: Solidarität mit Bochumer Opelanern!“ bis heute 10.269 Unterschriften von GewerkschafterInnen, FreundInnen und vielen UnterstützerInnen.

 

"Ein Riesenerfolg war die Sammlung in den letzten Wochen (mit den Schwerpunkten bei der TTIP-Demo in Berlin und bei der 1. Internationalen Automobilarbeiterkonferenz in Sindelfingen) – unendlich viele Gespräche wurden geführt: Auch nach fast einem Jahr Schließung des Werkes OPEL in Bochum bleibt der Gedanke „richtiger Streik wäre nötig gewesen“, unter den Beschäftigten vorherrschend. Dass der Vorstand der IG-Metall diesen Kampf für Arbeitsplätze nicht geführt und die kampfbereiten Kräfte diffamiert und gemobbt hat, bleibt uns als Erfahrung für kommende Auseinan-dersetzungen.

Entsprechend konnten wir die über 10.000 Unterschriften auch keinem Vorstandsmitglied persönlich überreichen, sondern gaben die öffentlichen Unterzeichner an der „Pforte“ ab. So behandelt man eine aktive Basis….

 

Trotzdem wird die Frage des Kampfes mit Sicherheit auf dem Gewerkschaftstag diskutiert!

Wir danken allen UnterzeichnerInnen und sind überzeugt davon:

Unsere Initiative mit der Petition fördert die Verarbeitung der Werkschließung OPEL/Bochum auf positive Weise für die weitere kämpferische Gewerkschaftsarbeit.

Gewerkschaften sind Kampforganisationen – mit unserem „Aufstand des Gewissens“ sprechen wir vielen Mitgliedern aus der Seele."

 

(Tobias Knapp, Mitinitiator der Petition „Aufstand des gewerkschaftlichen Gewissens: Solidarität mit Bochumer Opelanern!“, Sindelfingen, 21.10. 2015)

 

Wir veröffentlichen diese Nachricht hier, weil auch sehr viele Solingerinnen und Solinger diese Petition unterschrieben haben. Wenn die Überbringer die Unterschriften auch nicht persönlich abgeben konnten, sondern an der Pforte abgewimmelt wurden, können wir uns darauf verlassen, dass dies am Gewerkschaftstreffen bekannt geworden ist!

Auch, dass die Fackel, die in Bochum beim Kampf der Opelaner entzündet wurde mittlerweile in die ganze Welt unterwegs ist!

 

Mehr Informationen zur IAC gibt es hier

 

Andi Fischer