Steilvorlage für den ÖPNV durch Politik und Autokartell

 

10.800 Menschen sterben in Deutschland jährlich durch die Stickoxidbelastun-gen im Verkehr. (Angaben Greenpeace)

Das sind dreimal mehr Verkehrsopfer (3206) als 2016 in der Unfallstatistik der Bundesregierung aufgeführt. Längst erleben wir auch in Solingen in den Hauptverkehrszeiten, das nichts mehr geht. Stoßstange an Stoßstange wälzt sich die Fahrzeugkolonne durch das Nadelöhr Innenstadt, über die Kreuzungen am Mangenberg und Schlagbaum. Für Fußgänger, insbesondere Kinder und Radfahrer eine gesundheitliche Herausforderung.

 

Der aufgedeckte Abgasbetrug bei Dieselfahrzeugen hat die Weltöffentlichkeit und auch in Solingen aufgeschreckt. Über den Diesel ist nun genug bekannt, um Öffentlichkeit, Kaufinteressenten und Besitzer massiv abzuschrecken.

 

Ein anderes Problem, das derzeit völlig außer Acht gelassen wird, sind die Benziner!

Auch diese Fahrzeuge belasten die Umwelt und unsere Gesundheit mit Stickoxiden aus den Rußen der Verbrennungsvorgänge im Motor. Und zwar noch tückischer als der Diesel, weil diese Partikel viel kleiner sind als die der Dieselmotoren.

Das Thema ist Fachleuten und Bundesregierung ebenfalls schon lange bekannt. Erst zum 1 September 2017 und für neu zugelassene Autos ein Jahr später unterliegen die Benziner denselben Emissionswerten wie die Diesel. All die zurückliegenden Jahre durften Benziner 10 X (zehnmal) so viele Partikel ausstoßen wie Dieselfahrzeuge!

Der Umweltchemiker Prof. Eckard Helmers von der Hochschule Trier fasst das so zusammen: "Je mehr und besonders je kleiner die Partikel sind, die Menschen einatmen, desto größer ist die Schadenswirkung."

Auf der Oberfläche der Teilchen lagern sich verschiedene Verbrennungsprodukte ab, etwa die krebserregenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK).

"Im Hinblick auf die toxikologische Wirkung ist es absurd, bestimmten Techniken höhere Emissionen zu erlauben als anderen."

Oder aber eben dieselben Emissionswerte, wie ab dem 01. September 2017! (Wie wir heute wissen, sind Verbrennungsmotoren so-wieso ein Auslaufmodell.)

 

Da stellt sich die Frage: Was tun?

Soll ich weiter auf die Verbrennungstechnologie setzen, wie es die deutschen Autokonzerne favorisieren, ist das Elektroauto eine Perspektive, fahre ich Rad oder steige ich auf Bus und Bahn um?

Langfristig setzt die Politik auf Elektromobilität. Auch die Bündnis-Grünen setzen auf das E-Auto. Aber E-Mobilität ist ebenso eine Sackgasse wie der Verbrenner.

Was nützt mir Strom, wenn die Energie aus dreckigen Kohlekraftwerken kommt, die zur Stromerzeugung mit dem Kohleabbau die Umwelt nachhaltig zerstören? Egal ob nun in Deutschland, Südafrika oder Russland?

Mit Strom, wohnortnah und regenerativ erzeugt, wird die E- Mobilität nicht versorgt werden können. Den Strom über hunderte Kilometer heranzutransportieren ist für den Kunden nicht finanzierbar und würde in den Stromparks ebenso die natürliche Umwelt ruinieren.

Alternativ scheint da die Brennstoffzelle im Wasserstoffbetrieb. Aber auch hier wird die gewonnene Energie in Batterien gespeichert, zu deren Herstellung Ressourcen benötigt werden, die sowohl die Umwelt als auch Mensch und Tier belasten.

Es wird nur funktionieren, wenn der Individualverkehr auf ein notwendiges Minimum reduziert wird.

Das heißt, den ÖPNV entsprechend auszubauen.

Seit Jahren ist SOLINGEN AKTIV darum bemüht, den ÖPNV zu stärken und setzt sich für ein besseres Radwegenetz in Solingen und Umgebung ein.

 

Mit großem Interesse verfolgt SOLINGEN AKTIV Studien zur Energierückgewinnung im Fahrbetrieb der O-Busse, wie es die Stadtwerke Solingen derzeit überlegen.

SOLINGEN AKTIV ist Mitglied bei der Bergischen Bürgerenergiegenossenschaft (http://bergische-buergerkraft.de/), engagiert sich für die Erzeugung regenerativer Energien in Wohnortnähe.

Entweder wurde SOLINGEN AKTIV belächelt oder schlicht ignoriert.

Dabei könnte Solingen seine Vorreiterrolle in Sachen „grüner ÖPNV“ viel weiter ausschöpfen als bisher überlegt.

Investitionen in den Ausbau der Elektrifizierung des ÖPNV, eine bürgerfreundliche Umgestaltung des Nahverkehr Fahrplanes innerhalb Solingens mit klaren Forderungen nach Verbesserungen des VRR und VRS Verkehrssystems insgesamt, dem großzügigen Ausbau des Radwegenetzes in ganz Solingen, das sind die alternativen Forderungen an die Politik und Wirtschaft mit langfristiger Perspektive!

Wenn es uns gelingt, den Individualverkehr einzudämmen, leisten wir einen wirklichen Beitrag zur Verbesserung unserer Lebens und Umweltbedingungen und einen nachhaltiges Erbe für unsere Kinder.

Den Profitinteressen der Autoindustrie allerdings sagen wir hiermit ab!

 

 

 

ÖPNV im Aufbruch?

 

Wie wichtig ist uns eigentlich das Klima unserer Stadt?

Wie wichtig ist es uns, möglichst viele Menschen mobil zu machen?

Wie wichtig ist es uns, die Innenstadt möglichst autofrei zu erleben?

 

Diese und andere Fragen kommen einem in den Sinn, wenn man von der Initiative „Bus & Bahn fahrscheinfrei“ hört.

Da wird geredet von einer Umlage der Ticketpreise auf die gesamte Bevölkerung. Davon, dass jeder für den ÖPNV bezahlen soll, obwohl ihn gar nicht jeder nutzt.

 

Sofort fallen einem auch andere Fragen ein.

Was die Autofahrer wohl dazu sagen?

Wieviel soll das denn kosten?

Geht das in Solingen überhaupt?

 

Kurz gesagt: es gibt viele Bedenken und Vieles zu bedenken.

 

Aber wie sieht es mit den Chancen aus?

Solingen hat vor kurzem die schrittweise Umstellung von Diesel- auf Elektrobusse beschlossen. Getestet wird ein System, bei dem die Batterien auf den Streckenabschnitten mit Oberleitung aufgeladen werden. Das geht bei Strecken, die zu einem Drittel mit Oberleitungen ausgestattet sind. Das ist eine hervorragende Unternehmung.

Die Besonderheit: es brauchte nicht einmal die Eingabe von SOLINGEN AKTIV, um diese Idee umzusetzen.

 

Nun stellen wir uns gemeinsam die Zukunft Solingens vor, in der die Forderungen von SOLINGEN AKTIV zumindest teilweise umgesetzt wurden:

Alle Busse sind Elektrobusse. Der Strom besteht zu 100% aus regenerativen Energien aus der direkten Umgebung. Das Bürgerticket für den ÖPNV wurde erfolgreich eingeführt und wird über die angepasste Grundsteuer B hauptsächlich von den großen Firmen finanziert, die natürlich gern einen Beitrag zur Verschönerung der Stadt leisten. Sozial benachteiligte Menschen fahren kostenlos. Die Innenstadt ist beinahe autofrei. Parkplatzflächen konnten verkauft werden, bzw. wurden in Spielplätze umgewandelt…

 

Das ist keine Utopie, sondern ein wahrscheinliches Szenario.

 

Und das würde aus Solingen eine Stadt mit einem der fortschrittlichsten Verkehrssysteme der Welt machen. Ist es das nicht wert, die Bedenken hinter sich zu lassen?

 

SOLINGEN AKTIV fordert die Umstellung auf 100% regenerative Energien aus Wohnortnähe. Wir unterstützen die Initiative „Bus & Bahn fahrscheinfrei“ und werden das Thema in den Solinger Stadtrat einbringen.

 

Solingen kann eine Vorreiterrolle für den ÖPNV einnehmen. Dafür muss aber noch etwas passieren. E-Busse sind nur der Anfang!

 

 

 

 

 

Im Moment findet eine Diskussion um die Verbesserung der innerstädtischen Beförderungsmittel statt. Es wird überlegt, wie man Geld einsparen und gleichzeitig größere Einschnitte für die Nutzer der öffentlichen Verkehrsmittel verhindern kann. Hier werden wieder einmal Kompromisse geschlossen, die im Endeffekt keine Veränderung bewirken.

 

Es ist notwendig, die grundlegenden Strukturen zu überdenken. Statt mit Fahrplanänderungen und kleinen (wenn auch teilweise sinnvollen) Neuerungen wie der Einführung der Taxi-Busse nur an der Oberfläche zu kratzen, geht SOLINGEN AKTIV einen Schritt weiter:

 

Wir fordern die innerstädtischen Beförderungsmittel zum Nulltarif!

 

Viele Beispiele aus Belgien (Hasselt), Estland (Tallinn), USA (Portland, Seattle) und teilweise auch aus deutschen Städten (Lübben, Templin) zeigen, dass der Nulltarif keine utopische Forderung ist, die nicht finanziert werden kann.

 

Die Erfahrungen aus anderen Städten zeigen, dass durch die immens steigenden Nutzerzahlen bei den öffentlichen Verkehrsmitteln schon nach kurzer Zeit der Autoverkehr in den Innenstädten massiv zurückgeht. Das sorgt dafür, dass Straßenverbesserungen bzw. -ausbauten nahezu unnötig werden, was Gelder einspart und wodurch die Innenstadt für Fußgänger und Radfahrer immens an Attraktivität gewinnen würde.

 

Parkplatzflächen stehen leer und können anderweitig (z. B. Einzelhandel, Marktstände, usw.) genutzt werden. Die Abgas-Belastung in der Innenstadt würde sich dramatisch verringern, was natürlich sowohl ein Argument für die Umwelt, wie auch für die Anwohner ist. Die Anwohner würden auch davon profitieren, wenn weniger Autos in der Innenstadt unterwegs wären.

Das würde zusätzliche Attraktivität schaffen.

 

Weiterhin fordert SOLINGEN AKTIV:

  • die reale Umstellung auf 100% regenerative Energie aus Wohnortnähe für alle O-Busse in Solingen. Auf manchen Bussen sind zwar die Aufkleber gut zu erkennen, die uns weismachen wollen, dass die O-Busse bereits ausschließlich mit Naturstrom fahren, aber das ist so nicht korrekt. In Wirklichkeit haben die Stadtwerke zur Zeit erst 33% Strom aus regenerativen Quellen. Die Voraussetzungen sind in Solingen gegeben, auf 100% regenerative Energien umzusteigen. Fangen wir also jetzt an! Mit sauberem Strom in Verbindung mit unseren O-Bussen hätte Solingen eine einzigartige Vorreiterposition und wäre Vorbildstadt nicht nur in NRW, sondern in ganz Deutschland, wenn nicht ganz Europa.

Ist das nicht ein Ziel, für das es sich lohnt zu kämpfen?

 

Als Sofortmaßnahme fordern wir:

  • Der Preis des Sozialtickets muss auf 15 Euro begrenzt werden!
  • Weiterer Ausbau der Radwege!