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Überparteilich. Unbestechlich. International.

Wonach suchen Sie?

So geht das aber nicht Herr Kob:

ST- Kolumne vom 10.10.2020

Auf Seite 18 schreibt der Redakteur des Solinger Tageblatts Herr Kob (Zitat):

Das Virus (Corona) erfasst alles und jeden. Allerdings gibt es eine große Ausnahme. Vollkommen immunisiert gegen die Folgen der Pandemie ist die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Deren Funktionäre sind weit weg von den wirklichen Problemen. (Zitat Ende)


Weiter schürt Herr Kob Angst und Misstrauen unter den Lesern, das der Einzelhandel, wenn er nicht  die verkaufsoffenen Sonntage durchführt, gegen die sich Verdi seit Jahren wehrt, das ganze Geschäft an den Internethandel  verlieren würde. Als ob die verkaufsoffenen Sonntage etwas an der Vorsicht der Leute wegen Corona oder der Grundtendenz ändern würde, das immer mehr Kunden lieber bequem von der Couch aus bestellen statt selbst loszugehen. Hatte Herr Kob keine Kenntnis über den Leserbrief von Herrn Stamm, der am selben Tag auf Seite 22 veröffentlicht wurde? Mit 41 Jahren Berufserfahrung im Einzelhandel hat Herr Stamm glaubhaft versichert, dass die Sonntagsarbeit dem Einzelhandel nichts bringt. Im Gegenteil, er erschwert den Beschäftigten das Familienleben und schafft vermeidbare Konflikte, auch bei den Beschäftigten selbst Herr Kob legt schon einmal fest, welche Ursachen zur Resignation bei den Geschäftsleuten führt und malt ein Bild an die Wand, nachdem es massenweise Geschäftsschließungen geben wird, wenn Verdi weiterhin Forderungen stellt Kein Wort darüber, dass es die Verdi Mitglieder, also die Beschäftigten im Einzelhandel selbst sind, die diese Forderungen zu Recht stellen.


Ohne Zweifel hat es der Einzelhandel in der Corona- Krise und dem vergangenen wochenlangen Lock down schwer, wieder ins Geschäft zu kommen. Aber ist ein Tarifkampf die wirkliche Ursache dafür, dass die Einzelhändler hinwerfen wollen? Was sagt das statistische Bundesamt zum Kaufverhalten der Deutschen?


Pressemitteilung Nr. N 063 vom 5. Oktober 2020

  • Reale Umsatzverluste bei den Kaufhäusern in Höhe von 42,1 % von 1999 bis 2019, Onlinehandel verdoppelt im selben Zeitraum seine Umsätze (+120,3 %)
  • Umsatzverluste im stationären Handel mit Bekleidung durch Corona-Krise: -11,6 % kalender- und saisonbereinigt im August 2020 gegenüber Februar 2020
  • Onlinekäufe erhöhten sich 2019 gegenüber 2006 bei der Produktgruppe Lebensmittel, Kosmetika und Drogerieartikel am stärksten (+20 Prozentpunkte)
  • 2019 erfolgte bei fast einem Fünftel (17 %) der kleinen Handelsunternehmen der Vertrieb nicht über eine unternehmenseigene Website

(Quelle: Statistisches Bundesamt am 11.10.2020)

 

Der Handelsverband Deutschland schreibt auf seiner Homepage Zitat:

Auch der Einzelhandel leidet nach wie vor massiv an schwachen Umsätzen und unter geringen Kundenfrequenzen, die weit unter Vorjahresniveau liegen. Nur ein kleiner Teil der Unternehmen konnte bisher direkte Zuschüsse durch das Sofortprogramm erhalten, während tausende mittelständische Unternehmen nur auf entsprechende KfW-Kredite mit begrenzter Haftungsfreistellung verwiesen werden, die jedoch nicht ausreichend im Einzelhandel bewilligt werden. (Zitat Ende)


Mit anderen Worten: Während Großkonzerne Geldgeschenke durch die Bundesregierung erhalten, müssen sich Klein und Mittelständler im Einzelhandel mit Krediten zur Überbrückung der Corona- Krise über Wasser halten und verschulden, wenn sie überhaupt einen Kredit erhalten!

Während der Bund Großkonzerne wie die Lufthansa, Condor oder TUI mit Milliarden subventioniert, stehen andere Konzerne wie Ford, Aida, Thyssen- Krupp oder Bombadier gemeinsam mit 60 weiteren Interessenten aus allen Branchen in der Warteschlange, um mit offenen Händen die Geldgier ihrer Aktionäre aus Steuergeldern zu befriedigen. Dass es bei der Förderung der Großkonzerne um den Erhalt von Arbeitsplätzen gehen soll, ist ein reines Ammenmärchen. Ob beim Stahl, der Autoindustrie oder dem Energiesektor, es ist überall das gleiche Lied. Nach monatelanger Förderung durch den Bund über das Kurzarbeitergeld stehen zum Dank dafür in allen großen Konzernen Massenentlassungen an (z.B. VW, Daimler, Thyssen- Krupp, Karstatt- Kaufhof, STEAG, RWE u.a.).    


Zitat von Herrn Kob: „Ähnlich ungerührt lässt Verdi Busse und Bahnen stehen, wo Nahverkehrsbetreiber angesichts der Corona- Krise auf Milliardendefizite zusteuern“. (Zitat Ende)

Was soll denn dieser Satz von Herrn Kob aussagen? Verdi und seine Mitglieder sind wegen der Warnstreiks jetzt dafür verantwortlich, das Nahverkehrsunternehmen Defizite erwirtschaften?


SOLINGEN AKTIV spricht sich seit Jahren dagegen aus, das im Bund beschlossene Sparmaßnahmen unter anderem in der Daseins- Fürsorge: Flüchtlinge, Hartz IV, Sozialhilfe an den Kommunen vorbei beschlossen, diese  finanziell nicht vollständig vom Bund  getragen werden. (Wer die Musik bestellt, soll sie auch bezahlen!) Daran und an einem konsequenten Schuldenschnitt, der von Bund und Land zugunsten der Banken und Sparkassen abgelehnt wird,  haben die Kommunen schwer an Last zu tragen. Das macht es den Gemeinden ungleich schwerer, auf berechtigte Tarifforderungen ihrer Beschäftigten einzugehen. Hier versagt die Politik auf Länder- und Bundesebene vollständig und beharrlich egal mit welchen Bündnissen (CDU, SPD, FDP und Grünen) seit Jahrzehnten.


Verdi kämpft in der aktuellen Tarif- Auseinandersetzung um einen bundeseinheitlichen Tarifvertrag für die Beschäftigten aus den Verkehrsunternehmen. Bei der IG Metall ist das für die Beschäftigten seit Jahrzehnten gängige Praxis. Die kommunalen Arbeitgeber mauern in ihrer Not  dagegen. Es kommt zum Arbeitskampf, wie er durch das Grundgesetz §9 Abs.3 (Kollektivrecht) geschützt ist.                                    Die sich zuspitzende wirtschaftliche Notsituation ist überhaupt nicht auf kommunale Veränderungen oder tarifvertragliche Auseinandersetzungen zurückzuführen sondern ein Ergebnis einer seit 2018 begonnenen Weltwirtschaftskrise, die durch Corona lediglich nur noch verschärft wurde. Alle Teile der gesellschaftlichen Ordnung sind davon betroffen. Einzelne Bürger, Kommunen, das Land und der Bund.


Aber die Umverteilung von unten nach oben ist eine seit Jahrzehnten unerträgliche Situation für die Zahler und Betroffenen!                          Die Kolumne von Herrn Kob dient im kapitalistischen Kadavergehorsam sicher der rechten Einstellung der Bundesregierung und der politischen Weltanschauung seines eigenen Arbeitgebers (dem Medienverlag Boll), aber bestimmt nicht der objektiven und vor allem unabhängigen Berichterstattung eines seriösen Journalismusses oder den Betroffenen.


Herr Kob, ihre Kolumne ist AfD-Jargon, ich lehne so etwas als unseriös ab!

Den Verdi Kolleginnen und Kollegen drücke ich die Daumen für einen erfolgreichen Tarifkampf!


Andreas Fischer (IG Metaller; Betriebsrat aus Solingen)

 

Geschrieben, weil kritische Leserbriefe von mir im Solinger Tageblatt seit ca ½ Jahr nicht mehr veröffentlicht werden. Beim Solinger Tageblatt wird leider nach rechtsaußen zensiert!

 

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